„Wie hoch ist eigentlich die Leiter?“
Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Mosbach lockte zahlreiche Interessierte – Geräteschau und Vorstellung des Brandcontainers
Von Peter Lahr
Mosbach. „Wasser Marsch“, hieß es gestern vor dem Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Mosbach. Doch anders als sonst bei diesem Befehl, waren die Begleitumstände erfreulicher Natur. Die Abteilung Mosbach Stadt hatte zum „Tag der offenen Tür“ eingeladen, und im Löschen konnten sich die jungen Besucher auf der Spielstraße der Jugendfeuerwehr messen. „Die Jugend ist ein ganz großes Potenzial“, betonte Abteilungskommandant Peter Hemmerling. Von den 30 Mitgliedern der Jugendfeuerwehr wechseln nächstes Jahr sechs in die aktive Wehr. An die 90 Aktive engagieren sich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Mosbach. Sind rund um die Uhr erreichbar, 365 Tage im Jahr. „Wir müssen immer raus, selbst wenn telefonisch ein Fehlalarm mitgeteilt wird“, erläuterte der Kommandant. Denn es obliege der Feuerwehr, vor Ort einen Fehlalarm festzustellen. Es könnte ja jemand auf dumme Ideen kommen...
Generell habe die Zahl der Fehlalarme durch aus zugenommen. Pro Jahr absolviert die Mosbacher Feuerwehr im Schnitt 140 Einsätze. Manchmal über drei in einer Woche, manchmal herrsche dagegen tagelang „Flaute“. Viel Betrieb herrschte gestern nicht nur in der zur Festhalle umgenutzten Gerätehalle. „Mit Sang und Klang“ eröffnete der Spielmannszug das Fest. Stabführer Steffen Karch, Zugführer Klaus Kuch und die Musiker sorgten für einen gelungenen flotten Auftakt.
Richtig heiß wurde es am Nachmittag bei den Vorführungen am Brandcontainer. Zwei verschiedene Szenarien können hier Atemschutzträger unter extrem realistischen Bedingungen einüben: Einen Kellerbrand und einen Wohnungsbrand. Bis zu 400 Grad Hitze herrschen dann in dem Container, der jenseits des Probebetriebs einer seltsamen Mischung aus Riesenpuppenstube und Grill ähnelt. Beim „Kellerbrand“ müssen sich die Wehrleute vom Dach aus über eine Treppe hinunterarbeiten, um imKeller an den Absperrschieber des Verteilerstands zu kommen. „Das Handicap ist, dass die Treppe schon brennt“, erklärte Wolfgang Karch, in
Mosbach zuständig für die Ausbildung der Atemschutzträger. Beim angenommenen Wohnungsbrand beginnt der Stress bereits an der Tür zur „Kammer des Schreckens“. Ist diese nämlich erwärmt, so müsse der Feuerwehrmann bzw. die Feuerwehrfrau mit einer Durchzündung rechnen, mit einem „Flashover, einer Rauchgasexplosion“. Bevor man zum „Innenangriff“ übergehen könne, müsse man dann mit mehreren Sprühstößen Wasser für eine Raum bzw. Rauchgasabkühlung sorgen. Der Rauch sorgt im Container für unübersichtliche Verhältnisse. Von Sofa und Regal ist nichts zu sehen. „Der Atemschutzträger muss wissen, wenn er seine Schuhe nicht mehr sehen kann, muss er auf den Knien voran“, betonte Karch. Neben dem 16 kg schweren Atemschutzgerät tragen die Feuerwehrleute auch eine besonders schwer entflammbare Schutzhose „Modell Mosbach“. Der Brandcontainer macht noch bis 14. Juli in Mosbach Station. Rund 140 Feuerwehrleute aus dem Kreis werden sich darin auf den Ernstfall vorbereiten.
„Wie hoch ist eigentlich die Leiter?“, „Wie oft habt ihr Einsätze?“ und: „Kommt ihr in der Altstadt überall hin?“, waren nur einige Fragen, die Gabriel Spohn und seine Kollegen rund um den Löschzug zu beantworten hatten. Die korrekte Antwort auf die erste: „30 Meter.“ „Brandneu“ war nebenan das Rettungsboot „NeMo“ der DLRG. Kaum minder beliebt waren bei den kleinen Gästen Labradorhündin Candy – „Die tut nix“ – bzw. die plüschigen Vertreter der DRK Rettungshundestaffel.
aus der RNZ Nr. 151 vom 05.07.2010
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