Chronik des Spielmannszuges
Chronik des Spielmannszuges
Im Jahre 1924 wurde in Mosbach bereits ein Spielmannszug unter Karl Jost
gegründet; doch hielt sich die Formation nicht lange. Dann entstand 1932 unter
August Blaut und Emil Edinger mit Hilfe von Franz Hemmerling sen. der erste
Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Mosbach, geleitet von August Blaut.
Diese Vereinigung löste sich aber schon fünf Jahre später wieder auf.
Erst im Jahre 1949 war es nach kriegsbedingter Pause möglich, den Spielmannszug
neu ins Lebens zu rufen. Kommandant Franz Hemmerling sen. unterstützte
tatkräftig das Vorhaben der Spielleute, die sich um Emil Edinger und Adolf Jost
geschart hatten. Die Ausrüstung bestand zunächst aus alten Instrumenten, die
während des Krieges teilweise auf Dachböden oder in sonstigen Abstellräumen
aufbewahrt wurden.
Die Spielmannszugführer von 1950 bis heute waren:
1950 - 1953 Werner Ruckmich
1953 - 1954 Alois Ellwanger
1954 - 1957 Max Jochum
1957 - 2000 Günter Kuhn
seit 2000 Klaus Kuch
Seit 1957 (mit Beginn der Ära Günter Kuhn) werden sämtliche Musikstücke nach
Noten einstudiert. Früher wurden die Musikstücke auswendig bzw. aus der
Erinnerung eingelernt. Als Übungsraum diente lange Jahre (bis etwa 1970) der
hintere Stall der ehemaligen Markthalle (der jetzige Standort des neuen
Gerätehauses). Dieser Raum war zwar durch seine Gröl3enverhältnisse ideal, aber
durch den turnusmäßigen Viehmarkt bestialischem Gestank unzumutbar. Außerdem
mussten die Spielleute bei grimmiger Kälte jeweils zwei Stunden pro Übungsabend
auf eiskaltem Betonboden stehen. Von 1970 bis 1972 wurde ein Schulsaal der
Lohrtalschule zugewiesen. Doch diesen musste man wegen angeblicher
Beschwerden bald wieder räumen.
Die Existenz des Spielmannszuges stand damals ernsthaft auf dem Spiele. Dank
der Initiative des damaligen Kommandanten Fritz Fehr und von Franz Hemmerling jr.
wurde ein neuer Proberaum im Keller der ehemaligen Wilhelm-Stern-Schule
gefunden. Auch dies war nur ein Provisorium, aber immerhin hatte man einen
eigenen Raum. 1978 wurde das Obergeschoss des alten Gerätehauses in
Eigenleistung der Wehr ausgebaut. Dabei wurde ein Proberaum mit
Wandschränken für Instrumente und Noten zugewiesen. Heute noch wird dort
geprobt.
Mit 12 Mann begann es 1949; 1957 zählte der Spielmannszug 27 Mann, heute
sind es 36 Spielleute (13 Jugendliche). 1973 konnten zehn junge Musiker aus dem
eigenen Nachwuchs gewonnen werden. Leider ist heute nur noch einer davon
dabei : Klaus Kuch, der jetzige Spielmannszugführer.
lm Jahre 1988 hatte sich der Spielmannszug für einige Zeit aus dem öffentlichen
Leben verabschiedet. Durch Abgänge aus Altersgründen, den Austritt einiger
Jugendlichen wegen auswärtiger Berufstätigkeit und wegen fehlendem Nachwuchs
war der Zug nicht mehr spielfähig. Unter anderen rührte der damalige
OB Fritz Raff durch Schreiben an die Schulleiter und durch öffentliche Aufrufe in der
RNZ die Werbetrommel für den Spielmannszug, und nach kurzer Zeit meldeten sich
34 jugendliche Interessenten. Mit 22 davon wurde dann im März 88 die Ausbildung
begonnen. Im Februar 89 hatten sie ihren ersten Auftritt.
Der Spielmannszug war gerettet.
1959 wurden die alten Holzflöten durch Bakelitflöten und schließlich 1975 durch
moderne Metallflöten ersetzt. Im Jahre 2000 erhielt man für die alten, z.T. uralten
Trommeln moderne Marschtrommeln. Die 1957 von der Mosbacher Geschäftswelt
gespendeten Fanfaren wurden auf 16 Fanfaren aufgestockt. Durch Mangel an
Bläsern ruhte das Fanfarenspiel zwischen1 989 und 1999. Wolfgang Karch hat
durch großes Engagement im Frühjahr 1999 eine neue Fanfarengruppe, bestehend
aus elf Bläsern aufgebaut. Heute besteht die Gruppe aus 13 Bläsern.
Mit großem Idealismus gehen die Spielleute ihrem Hobby nach und pflegen ihre
Liebe zur Musik. Sind es doch nicht nur die vielen Übungsstunden (rund 130
Stunden pro Mann und Jahr), die absolviert werden müssen, um einen
Spielmannszug "leistungsfähig“ zu halten und musikalisch auszubilden.
Die Ausbildung wurde und wird noch immer von eigenen Spielleuten durchgeführt.
Bei vielen Auswärtsfahrten haben die "Mosbacher" ihrer Heimatstadt alle Ehre
gemacht. Im Durchschnitt sind dies 15 Auftritte im Jahr.
Durch die Initiative des im Vorjahr verstorbenen Günter Kuhn, der von der Stadt im
Jahr 2000 zum Ehrenspielmannszugführer ernannt worden war, erreichte der
Spielmannszug Mosbach einen so hohen Leistungsstand, dass er über die Grenzen
des Neckar-Odenwald-Kreises hinaus großen Anklang findet. Bei zahlreichen
internationalen und nationalen Spielmannszugtreffen waren die Mosbacher unter
den Besten.
aus der Festschrift zum 150jährigen Bestehen der FF Mosbach-Stadt
